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© Shawshots / Alamy Stock Photo

Buchvorstellung: Cornelius Castoriadis, Die bürokratische Gesellschaft

Privatdozent Dr. Harald Wolf / Göttingen

16.03.2026 | 00:19 Uhr
Freizeitheim Linden, Windheimstraße 4, 30451 Hannover, Raum 10

Cornelius Castoriadis (1922-1997), in Athen aufgewachsener, seit 1945 in Paris lebender politischer Theoretiker, Aktivist, Philosoph, Psychoanalytiker, Öko­nom, war Mitbegründer der Zeitschrift und gleichnamigen politischen Gruppe Socialisme ou Barbarie (1948-1967). Mit dieser Gruppe entwickelte er eine radikale Kritik der westlichen wie östlichen Gesellschaftssysteme sowie der tra­ditionellen Arbeiterbewegung. Er formulierte Grundzüge einer auf der Idee der Selbstverwaltung und der Rätedemokratie beruhenden gesellschaftlichen Alter­native. Diese Grundzüge arbeitete Castoriadis später beharrlich im Sinne einer Kritik am herrschenden kapitalistischen Projekt weiter aus und entwickelte ei­nen gegen das kapitalistische Projekt opponierenden Alternativentwurf kollek­tiver wie auch individueller Autonomie. Dabei spielte die intensive Auseinan­dersetzung mit dem – in Castoriadis‘ Lesart – bürokratischen Kapitalismus der UdSSR immer eine zentrale Rolle.

Das von Michael Halfbrodt und Harald Wolf vor nunmehr 20 Jahren auf den Weg gebrachte Editionsprojekt Cornelius Castoriadis: Ausgewählte Schriften geht mit dem voluminösen zehnten Band Die bürokratische Gesellschaft, der bei dieser Veranstaltung vorgestellt wird, in eine neue Runde. Das Buch bietet dreierlei: eine theoretisch angeleitete, materialreiche Chronik des gesellschaft­lichen Regimes Russlands von 1917 bis 1990 in revolutionärer Absicht, Antwor­ten auf die Fragen: »Was war die UdSSR?« und »Was ist der bürokratische Ka­pitalismus?« und außerdem viel Erhellendes über Entstehung und Entwicklung des Castoriadis’schen Theorieentwurfs selbst.

Harald Wolf, Göttinger Soziologe, wird den Band vorstellen und auch die Aktua­lität des – zunächst womöglich anachronistisch klingenden – Konzeptes des bü­rokratischen Kapitalismus deutlich zu machen versuchen. Dabei wird genügend Zeit sein, nachzufragen, nachzuhaken und kritisch zu intervenieren.

Um Anmel­dung bei Wilfried Gaum unter wilfried.gaum@gmx.de bis zum 10.03.2026 wird gebeten.