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REIHE GROSSE ÖKONOM_INNEN: Richard A. Musgrave und Peggy B. Musgrave – Öffentliche Finanzen und Wohlstandsentwicklung

Harald Hagemann, Universität Hohenheim, Stuttgart

29.01.2026 | 19:00 Uhr
Arbeit und Leben, Arndtstr. 20, 30167 Hannover

Richard Musgrave (1910–2007) war der international renommierteste und einflussreichste Finanzwissenschaftler in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Er leistete bahnbrechende Beiträge zur Theorie öffentlicher und meritorischer Güter, zur Besteuerung und zu Fiskalsystemen. Musgraves The Theory of Public Finance (1959) gilt bis heute
als Standardwerk der Finanzwissenschaft und wurde in viele Sprachen übersetzt. Seine Grundidee der Aufspaltung öffentlicher Haushalte in eine Allokatonsabteilung, eine Distributionsabteilung (integriertes Steuer- und Transfersystem) und eine Stabilisierungsabteilung hat das finanzwissenschaftliche Denken bis heute geprägt. Zusammen mit seiner
Frau Peggy hat Musgrave zahlreiche eher anwendungsorientierte Bücher verfasst.
Richard Musgrave wurde am 14. Dezember 1910 in Königstein im Taunus geboren. Unmittelbar nach seinem Diplomexamen als Volkswirt an der Universität Heidelberg im Mai 1933 emigrierte er in die USA. Dort wurde er 1937 an der Harvard University promoviert, wo er bis 1941 wichtige Impulse im Fiscal Policy Seminar von Alvin Hansen erhielt. Von 1941–1947 arbeitete Musgrave in der Forschungsabteilung der Federal Reserve, bevor er nach Professuren an der University of Michigan in Ann Arbor (1948–1958), der Johns Hopkins University in
Baltmore (1958–1961) und in Princeton 1965 als Professor an die Harvard University zurückkehrte. Nach seiner Emeritierung 1981 ging Musgrave nach Kalifornien, wo er als Adjunct Professor der University of California, Santa Cruz weiterhin ein äußerst aktiver Forscher blieb.

Peggy Brewer Musgrave (1924–2017) wurde in Maldon, England geboren. Sie begann ihr Studium 1942 an der University of Cambridge. Noch vor dem Abschluss wurde sie 1944 zum Wehrdienst eingezogen und arbeitete in London für das amerikanische Office of Strategic Services. Sie heiratete einen OSS Offizier (Richman), dem sie nach Kriegsende in die USA folgte. Dort nahm sie nach der Geburt zweier Söhne ihr Studium wieder auf, und erwarb einen B.A. und M.A. an der American University in Washington. D.C., dem 1962 der PhD an der Johns Hopkins University folgte, wo sie auch ihren zweiten Ehemann kennen lernte (eine Tochter). Peggy B. Musgrave war von 1963–65 Assistant Professor an der University of Pennsylvania, von 1965–67 Senior Research Associate in Harvard, von 1967–79 Professorin an der Northeastern University in Boston und von 1979–92 an der University of California in Santa Cruz.

Seit 2003 vergibt das International Institute of Public Finance einen „Peggy and Richard Musgrave Prize“.
Harald Hagemann ist Professor em. für Wirtschaftstheorie an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Er studierte Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Politische Wissenschaft an der Universität Kiel, wo er auch mit einer Arbeit über die kapitaltheoretische Cambridge-Cambridge-Kontroverse promoviert wurde. Nach einer Vertretungsprofessur für Politische Ökonomie und Wirtschaftstheorie an der FU Berlin (1980-81) war er von 1982-88 Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Bremen, seitdem in Hohenheim. 1999/2000 war er Theodor Heuss Professor an der New School for Social Research in New York. Forschungsschwerpunkte: Wachstum, Strukturwandel, neue Technologien und Beschäftigung, Krisen- und Konjunkturtheorien, die deutschsprachige wirtschaftswissenschaftliche Emigration in der Zeit des Nationalsozialismus.